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It's ok!

Cornelia Renz

Untitled

Opening Reception:

March 24th 2017

6:00 pm – 9:00 pm

Exhibition:

March 24th – April 25th 2017

Tore Suessbier

Opening Hours:

Artist Talk
Julia Rosenbaum
Friday, 31st March 2017
6pm

Exhibition Statement

Interview mit Julia Rosenbaum

(art historian)

 

1. Fängt man an, sich mit Deinen Arbeiten zu beschäftigen, fallen einem sofort die besonderen Titel Deiner Werke sowie Deiner Ausstellungen auf. Auch diese Schau heißt: „It's ok!“ - Inwieweit verweisen die Titel bereits auf den Inhalt Deiner Arbeiten?

 

Zuerst und ganz einfach: It’s ok – ist als Sprechblase auf zwei meiner Arbeiten in der Schau zu finden. Der Titel verweist also direkt auf meine Bilder. Schrift war immer Teil meiner Arbeit; in letzter Zeit macht sie sich zunehmend breit. Ihr Schriftbild ist dabei – auch wenn ich sie meist als emblematisches Logo verwende und sie oft ein zentrales kompositorisches Element wird – nur ein Aspekt; dass ihre Verwendung im Bild Bildgeschichten, Comics also, suggeriert, ein anderer. Vor allem aber interessiert mich die vehemente Kraft von Schlagwörtern. Diese Kraft verdanken sie ihrer Konzentration auf einen grell beleuchteten Ausschnitt von Wirklichkeit, der die Zwischentöne wegblendet. Boulevardblätter wie Bild oder ihr Schweizer Pendant Blick verraten allerdings schon im Namen, dass Schlagwörter und -zeilen ihre verbale Schlagkraft gern mit visuellem Signalcharakter paaren. 100 Punkt Fett – echte Hingucker! So werden sie auch von mir verwendet. Meine Bildsprache allerdings widersetzt sich dieser Eindeutigkeit, auch wenn sie selbst lautstark Versatzstücke von Werbung und vertrauten Bildrepertoires verarbeitet. It’s ok! Und im Hintergrund tobt die Panzerschlacht. Alles in Ordnung: unser alltagstaugliches Verdrängen von Gewalt als Mittel der Wahl in Konflikten – es wird schon alles gut gehen. Wir nehmen ihren Einsatz lapidar in Kauf oder finden ihn gar zunehmend schick. Da einfach, schlagkräftig, und schnelle Lösungen versprechend. Wenn er woanders stattfindet. Uns (noch) nicht oder nur am Rand trifft. It’s ok! 

 

2. Deine Werke sind besetzt von moralischen Zuschreibungen gepaart mit Ironie und Sarkasmus. Warum spielen diese moralischen Zuschreibungen in Deinem Werk eine so dominante Rolle?

 

In der Zeit meines Studiums – wohl meiner Tochter geschuldet – beschäftigte ich mich mit Pubertät, dem Ende der Kindheit, Verlust der Unschuld und einsetzender Schuldfähigkeit. Warum wird die Idee der Unschuld (und damit auch die ihr innewohnenden Eigenschaften wie Sanftheit, Zärtlichkeit, Schutzlosigkeit und damit Abhängigkeit und Unterwürfigkeit) so oft und so gern mit Mädchen verknüpft? Mit den Fragen nach den Wurzeln dieser Vorstellung versuche ich, ein herrschendes – in dem Fall männliches -  Konstrukt der Realität zu dekonstruieren, das über die Zeit zu dem ‚natürlichen‘ Bild von Realität wurde. Aber warum überhaupt wird der Verlust von Unschuld sexuell konnotiert? Und warum ist Sexualität dann offensichtlich schuldbelastet, wenn sie doch Leben gibt? Adam und Eva waren nackt, schämten sich dessen nicht, bis sie vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen. Ist ihre Nacktheit nun plötzlich böse? Ähnlich dem Brudermord Kains? Moral und Gesetze liegen nicht in der Natur der Dinge. Sie sind gesellschaftliche Setzungen, meist rigide durchgesetzt von einer herrschenden Klasse, die sie als gott- oder naturgegeben und durch diesen rhetorischen Schlenker als absolut bezeichnen. Doch auch unsere verfassten Grundrechte, die als unmittelbar geltendes Recht nun andersrum die Staatsgewalt binden, sind kein Naturgesetz; auch sie sind Menschenwerk und können abgelöst werden. Wir erleben gerade, wie politische Schlagwörter wieder attraktiv werden. Unsere zweifelnden und manchmal verzweifelten Versuche, uns mit unserer auf sich selbst zurückgeworfenen Urteilskraft auf dem Gelände einer pluralistischen Moral in einer globalisierten Welt zu orientieren, ohne selbst zum ungerührten Distanzierungsvirtuosen zu mutieren, erliegen wieder den Verlockungen moralischer Sirenenweisen religiöser oder politischer Vereinfacher, die die Welt übersichtlich in Gut und Böse scheiden wollen und damit der so schwer erträglicher Komplexität und Ambivalenz mit gewaltbereiter Moral begegnen.

 

3. Neben der Gewalt, dem Sexuellen und Grotesken enthüllt Deine Arbeit gleichzeitig einen sehr spielerischen Charakter. Wie wichtig ist diese Ambivalenz?

 

Als grotesk erscheint uns ja, was sich mit einem vernünftigen Weltbild nicht vereinbaren lässt. Es ist das Seltsame und Unglaubliche, alles, was grauenerregend, aber auch unglaublich komisch sein kann. Der russische Philosoph und Literaturtheoretiker Michail Bachtin spricht im Gegensatz zu Konzeptionen, die das Groteske in die Nähe des Absurden und Phantastischen rücken, von einem „grotesken Realismus“, der das Marginalisierte wieder ins Zentrum des Geschehens rückt: „Der klassische Realismus stellt die Wirklichkeit dar, wie sie den Normen einer kulturellen Ordnung zufolge sein sollte, der groteske Realismus zeigt die Wirklichkeit, wie sie trotz dieser Ordnung existiert.“(1) Meine Arbeiten leben gerade wegen meiner Beschäftigung mit dem Grotesken von der Komik und dem Spiel. Je absoluter die Doktrinen, politisch oder religiös, desto empfindlicher reagieren sie ja auf Gelächter, Ironie, Satire; auch das erleben wir gerade. Diese fürchterliche Wirklichkeit, die sich so dagegen sträubt, ideal sein zu wollen! Diese fürchterlichen Menschen, die so bockig widerspenstig widersprüchlich sind! Es gibt diese wunderbare späte Radierung von Goya ‚Der Alte auf der Schaukel‘, entstanden in Goyas politischen Exil in Frankreich, wo er sich trotz Alter, Armut und Marginalisierung seiner künstlerischen Existenz ausgelassen grinsend in ein Kinderspiel vertieft zeigt. War ihm danach? Sicher nicht. Und doch trotzt er dem Leben ein Lachen ab; was für ein Manifest!

 

(1)    Bachtin, Michail: Rabelais und seine Welt. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1995 

 

List of Works
Cornelia RenzIt's ok!, 2017
Pigmentstift auf Arcrylglas
173 x 173 cm
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Cornelia Renz
Untitledzoom
Untitled
Cornelia RenzGood, Evil, Pfui, 2015
Pigmentstift auf zwei Scheiben Acrylglas
180 x 220 x 8 cm
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Cornelia Renz
Cornelia Renz„Good Friday. Self as Theresa“, 2015
Pigments auf zwei Scheiben Acrylglas
100 x 100 x 6 cm
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Cornelia Renz
Cornelia Renz„Balmoral“, 2015
Pigments auf zwei Scheiben Acrylglas
120 x 190 x 6 cm
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Cornelia Renz
Cornelia Renz„Fairplay“, 2017
Pigments auf zwei Scheiben Acrylglas
173 x 173 x 6 cm
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Cornelia Renz
Cornelia Renz„Whamm!“,2017
Pigments auf zwei Scheiben Acrylglas
100 x 100 x 6 cm
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Cornelia Renz
Cornelia Renz„von allerley spelen!“,2017
Pigments auf zwei Scheiben Acrylglas
100 x 140 x 6 cm
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Cornelia Renz
Installation Views
It's ok!2017
It's ok!
It's ok!2017
It's ok!
It's ok!2017
It's ok!